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Nachhaltig wohnen und wirken: Das steckt hinter dem Projekt «Zukunft Bahnhof»

Julia-Maria Riedl


In Lichtensteig entsteht mit «Zukunft Bahnhof» ein visionäres Wohn- und Kulturprojekt, das neue Wege des Zusammenlebens ermöglichen möchte. Wo einst Züge einfuhren, soll ein Ort für Gemeinschaft, Nachhaltigkeit und soziale Innovation wachsen.



Das Projekt «Zukunft Bahnhof» soll 2028 abgeschlossen sein.
Das Projekt «Zukunft Bahnhof» soll 2028 abgeschlossen sein.

Bild: zvg


In Lichtensteig entsteht derzeit ein Wohn- und Kulturprojekt, das ein wenig anders ist, als man es kennt. Auf dem Bahnhofsareal, wo früher Züge einfuhren, soll bald ein Ort für gemeinschaftliches Leben, Kultur und Gastronomie entstehen. Das Projekt heisst «Zukunft Bahnhof» und wurde 2021 von Katrin Grünig und Martin Hohn ins Leben gerufen. Heute besteht das Kernteam aus sieben Personen, die umsetzen wollen – und eine Vision haben, die gesellschaftliche Fragen nicht ausklammern will.


Die Zukunft gemeinsam entwickeln


«Wir müssen nicht nur den Planeten schonen, sondern auch die Gesellschaft», sagt Katrin Grünig. Die Gegenwart sei schnell, auch oft unübersichtlich – viele Menschen wüssten kaum noch, wo sie hingehören. «Zukunft Bahnhof» soll ein Gegenmodell bieten: ein Ort, an dem Menschen Alltag neu denken und gestalten können. Dabei gehe es nicht um theoretische Konzepte, sondern um konkrete Fragen: Wie können wir Fürsorge leben? Was bedeutet nachhaltige Ernährung? Wie funktioniert gute Kommunikation?


Grünig bringt bereits eigene Erfahrungen mit. Sie hat schon in gemeinschaftlichen Wohnformen gelebt und ist überzeugt: «Der Mensch ist ein soziales Wesen. Zusammen zu lernen und zu leben ist eine Stärke.» Für sie steht fest: Die Zukunft kann man nicht einfach bauen – man muss sie gemeinsam entwickeln. Deshalb sollen auch alle, die sich für das Projekt anmelden, miteinbezogen werden. «Die Ressourcen jedes Einzelnen sollen dabei einfliessen», sagt sie.


Geplant ist ein durchmischtes Quartier für Menschen jeden Alters – das heisst: Einzelpersonen sind willkommen, Senioren und Familien. Die Schlagworte des Projekts: Kollaboration, Innovation, Regeneration und Machergeist – dahinter stehen konkrete Ziele: gemeinschaftliches Wohnen, sparsamer Umgang mit Ressourcen, soziale Lernprozesse. «Besonders der «Machergeist» ist in Lichtensteig spürbar», sagt Grünig. Sie findet, Lichtensteig sei ein Ort, der anpackt, und das auch abseits urbaner Zentren.


Klare Werte, aber kein starres Konzept


Die Wohnungen sollen nicht einfach vergeben, sondern im Rahmen eines sogenannten Auswahlverfahrens besetzt werden. Die Idee: soziale Mischung, gegenseitiges Kennenlernen, ein Bewusstsein für das gemeinsame Projekt. Stand heute sei bereits fast die Hälfte der Wohnräume vergeben, und sie können voraussichtlich 2028 bezogen werden.


Trotz klarer Werte ist das Konzept nicht starr. Vieles bleibt offen und soll mit den künftigen Bewohnerinnen und Bewohnern gemeinsam entwickelt werden. «Wir wollen kein abgeschlossenes System», sagt Grünig. Der Anspruch sei einzig: offen zu sein für das Umfeld, Interesse zu haben und nicht abgekapselt sein zu wollen.


Keine Kommune, aber ein Zusammenbringen von Menschen


Carsharing, gemeinschaftliche Gärten, geteilte Werkzeuge – «Zukunft Bahnhof» will ein neues Verständnis von Eigentum erzielen. Gleichzeitig betont Grünig auch die Bedeutung der Privatsphäre. «Wir bauen hier keine Kommune. Aber wir wollen Menschen zusammenbringen, die sich mit Zukunftsfragen auseinandersetzen», so Grünig.


Die Finanzierung sei schon eine Hürde, doch bis jetzt sei es gut verlaufen, sagt Grünig. In der Startphase 2021 hat die Stiftung das Land gekauft und die ersten Schritte finanziert. Für die Bauphase werden weitere Gelder nötig sein. Hier greifen sie auf Banken und Investorinnen zurück. «Wir wollen nachhaltig bauen», sagt Grünig. Das sei ein Spannungsfeld, weil dies teurer sei und gleichzeitig bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden wolle. Die Mietpreise sind noch nicht festgelegt, klar ist nur: Profitstreben sei nicht das Ziel. Die Mieten sollen sich an den realen Kosten orientieren.


Zwei Welten treffen aufeinander


Das Projekt steht in Lichtensteig nicht allein. Nur wenige Hundert Meter entfernt entsteht mit dem Projekt «Stadtufer» ein weiteres Vorhaben für nachhaltige Entwicklung. Doch Grünig sieht Unterschiede: Während dort eher Kultur- und Kunstschaffende angesprochen werden, setzt «Zukunft Bahnhof» auf eine Siedlung mit Familien, Kindern, Älteren.


Warum ausgerechnet Lichtensteig? Für das Team ist es gerade die Spannung zwischen innovativem Anspruch und traditioneller Umgebung, die das Projekt reizvoll macht. «Hier treffen zwei Welten aufeinander. Das ist nicht immer einfach – aber genau das macht es spannend und wertvoll.»


 
 
 

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