Staubern-Baustelle trotzt dem Wetter – Rohbau auf 1800 Metern im Alpstein vollendet
- jmlriedl
- vor 4 Stunden
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Julia-Maria Riedl
Wetter, Helikopter, Präzision: Im Alpstein bekommt das Gasthaus Staubern trotz schwieriger Bedingungen einen neuen Anbau. Hoch über dem Rheintal entsteht der Erweiterungsbau – an einem Arbeitsplatz, der spektakulärer kaum sein könnte.

Bild: Niklas Thalmann
Es ist wohl einer der schönsten Arbeitsplätze der Schweiz. Und auch einer der gefährlichsten. Hoch oben im Alpstein, auf knapp 1800 Metern über Meer, entsteht ein Erweiterungsbau des Gasthauses Staubern. Der Anbau wird Platz für Frühstücksgäste bieten und Räume für Seminare. Hier oben diktiert das Wetter den Bau-Rhythmus, nicht der Mensch. Diese Woche war Petrus halbwegs gnädig, und so konnte – wie vom Menschen geplant – der Rohbau abgeschlossen werden.
Knatternder Helikopter, dröhnende Baumaschinen, brummende Kreissäge. Eigentlich ist der Ort, wenn nicht gerade eine Baustelle da ist, eine Ruheoase. Umgeben von Vogelgezwitscher, Schafsglocken und vom Wind, der einem um die Ohren weht. Trotz der Lautstärke zieht der Wanderort Wander-Begeisterte an. Junge Männer in Outdoor-Vollmontur beobachten die Baustelle, Touristen machen Bilder, eine ältere Frau nimmt die Route zum Hohen Kasten. Die Schafe, die hier oben ihre letzten Sommertage verbringen, scheinen sich kaum vom Lärm stören zu lassen. Auf der Wiese, direkt neben dem Berggasthaus, grasen sie, oder ruhen sich aus.
Regen und Nebel stoppen den Heli
Der Bauplan stand fest: Bis Freitag sollte der Rohbau stehen. Am Dienstag sollten per Hubschrauber die ersten Rohmaterialien und Bauteile geliefert werden. Doch es regnete und war neblig. So fest, dass es nicht möglich war, die Lieferung auf den Alpstein zu fliegen. Der Helikopter blieb am Boden und das Baumaterial im Tal. «Vieles kann vorbereitet und geplant werden, doch am Ende bestimmt das Wetter den Takt», sagt Architekt Fabian Langenegger.
Am Mittwoch zeigte sich Petrus ein wenig gnädiger: Punkt 13 Uhr konnte der Helikopter von der Alpsoll abheben und die Lieferungen auf den Berg fliegen. Am Bauch des Helikopters ist ein langes Stahlseil befestigt – daran hängend ein Betonkessel, gefüllt mit der noch flüssigen Masse. Oben angekommen, wird die Betonmasse in die vorgefertigte Holzschalung gegossen, wo sie aushärtet und als feste Wand zurückbleibt.
Ein Wettlauf mit der Zeit, denn Beton trocknet schnell. Unten auf der Alpsoll hält ein Fahrmischer den Beton in Bewegung, während oben auf dem Berg die Bauarbeiter die Schalung vorbereiten. Im fünf-Minuten-Takt fliegt der weiss-rote Helikopter hoch in den Alpstein hinauf, liefert die Masse und kehrt zurück. Über eine Stunde lang werden so mehrere Dutzend Tonnen Beton auf den Berg transportiert.
Ein Bauarbeiter erklärt: «Nach einem Tag steht die Wand bereits stabil genug und wir können ausschalen.» Das heisst: Die Schalung, eine Konstruktion aus Holzplatten, wird entfernt und die Betonwand steht nun von selbst. Viel Zeit für Gespräche bleibt den Arbeitern nicht. Wer hier oben auf der Berg-Baustelle ist, merkt schnell: Jeder Handgriff sitzt und jeder weiss, was zu tun ist - besonders wenn der Helikopter kommt. Dann entsteht ein starker Wind – auch Rotorwind genannt –, so dass alles doppelt und dreifach gesichert sein muss. Jedes lose Teil auf der Baustelle würde sonst sofort wegfliegen.
Auch die Gondel dient als Transportmittel
Doch die Beton-Lieferung ist nur ein Teil des Spektakels. Kurz darauf fliegt der Helikopter hoch mit einer neuen Ware: den Dachelementen. Bis zu 900 Kilogramm können pro Flug transportiert werden. Das Dach ist in mehrere Teile aufgeteilt und wird vom Helikopter auf den Dachstuhl aufgesetzt. Die Zimmermänner befestigen die Platten. Am Freitag war der Rohbau abgeschlossen.
Wenn möglich, wird auf Helikopterflüge verzichtet. Architekt Langenegger sagt: «Wir transportieren so viel wie möglich mit der Gondel.» Die Gondel sei ökologisch sinnvoll, aber auch wirtschaftlich. Die Bergbahn Staubern wird umweltneutral per Solaranlage betrieben. Ein Helikopterflug kostet bedeutend mehr als die Fahrt mit der Bergbahn. Doch wegen Platz- und Gewichtsgrenzen gehe das nicht immer. Die Dachplatten mussten hochgeflogen werden - die Gondel war zu klein für sie.
Nächsten Sommer sollte der ganze Bau abgeschlossen sein. Bis dahin wächst der Neubau des Berggasthaus Staubern. Flug für Flug, Last für Last, Tag für Tag. Und das alles unter der Macht vom Wetter. Oder eben Petrus.



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