Warum beim Wirtschaftsforum Toggenburg keine Frauen auf der Bühne stehen
- jmlriedl
- vor 4 Tagen
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Julia-Maria Riedl
Das Wirtschaftsforum Toggenburg bringt die Verantwortlichen regionaler Unternehmen am 6. März zusammen. Doch dieses Jahr fehlt eine weibliche Stimme als Referentin auf der Bühne. Die Organisatoren und
ein Netzwerk für Frauenförderung nehmen Stellung.
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Das Wirtschaftsforum Toggenburg (WFT) ist ein fester Bestandteil der regionalen Wirtschaftsszene. Hier versammeln sich am 6. März Unternehmer, Fachfrauen und Interessierte in der Wattwiler Markthalle. Es ist eine Veranstaltung, um sich auszutauschen, voneinander zu lernen und neue Kontakte zu knüpfen. Was auffällt: Dieses Jahr stehen ausschliesslich männliche Referenten auf der Bühne, weibliche Stimmen fehlen.
Es ist schwieriger, eine weibliche Referentin zu gewinnen
Pascal Walther, Mitglied und Kommunikationsbeauftragter des WFT, sagt: «Wir hatten eine weibliche Referentin fest eingeplant. Leider musste sie absagen, und es war kurzfristig schwierig, eine geeignete Nachfolgerin zu finden.» Es sei schwieriger, eine weibliche Referentin zu gewinnen als einen männlichen. Gleichzeitig betont Walther, wie wichtig dem WFT die Diversität sei.
Doch woran liegt es, dass Frauen oft unterrepräsentiert sind, gerade vor allem bei wirtschaftlichen Veranstaltungen? «Dafür gibt es verschiedene Ursachen», sagt Nadja Brändle. Sie ist die Kommunikationsbeauftragte des Vereines «Frieda & Idda» aus Lichtensteig. «Netzwerke sind oft männlich geprägt, vor allem weil Führungspositionen in diesen Bereichen häufiger von Männern bekleidet werden und Frauen seltener angefragt werden.» Hinzu komme, dass Frauen oft zurückhaltender seien, wenn es darum gehe, sich für öffentliche Auftritte zu positionieren.
Zudem würden Frauen ihre Expertise oft unterschätzen und sich weniger aktiv für Auftritte anmelden. «Das liegt definitiv nicht an der fehlenden Kompetenz von Frauen.» Es brauche gezielte Bemühungen, Frauen sichtbarer zu machen und ihnen den Raum zu geben, den sie auch verdienen.
Auch betont der Verein in einer schriftlichen Antwort: «Wir sind überzeugt, dass das WFT sich stark dafür eingesetzt hat, Frauen als Referentinnen zu gewinnen.» Dass nun letztlich keine Frau auf der Bühne stehe, sei schade und zeige auf, dass es grundsätzlich noch mehr Anstrengungen brauche um den Pool an weiblichen Stimmen zu erweitern. Gleichzeitig sagt der Verein Frieda&Idda auch: «Wir Frauen dürfen uns auch an der Nase nehmen und mutiger werden.»
Toggenburg vereint Tradition und Innovation
Trotz der Kontroverse verzeichnet das WFT stabile Teilnehmerzahlen. «Wir erwarten rund 300 Besucherinnen und Besucher. Das sind etwa so viele wie im letzten Jahr», sagt Walther. Das zeigt, dass das Interesse am Austausch hoch ist. Besonders geschätzt werde das praxisnahe Konzept des Forums: «Wir suchen immer Themen, die die Unternehmen in der Region direkt betreffen. Dieses Jahr steht der Pioniergeist im Mittelpunkt», sagt Walther.
Ein Highlight der Veranstaltung ist der Vortrag von Christoph Zweifel aus dem Familienunternehmen «Zweifel-Chips». «Das Toggenburg vereint Tradition und Innovation. Viele Unternehmen sind tief in der Region verwurzelt und gehen dennoch mutige, neue Wege – genau das wollen wir zeigen», sagt Walther.
Brändle schreibt in einer schriftlichen Antwort: «Es gibt viele kompetente Frauen in der Region, aber sie müssen sichtbarer gemacht werden», sagt Brändle. Langfristig brauche es einen klaren Willen, Frauen auf solchen Podien präsenter zu machen. Das bedeute, nicht nur bekannte Namen anzufragen, sondern frühzeitig gezielt nach Expertinnen zu suchen.



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